Erste Klasse ins Krankenhaus

Am Freitagabend klagte mein Freund über Halsschmerzen. Weil ich am Wochenende arbeiten musste, habe ich ihn erst abends gesehen. Und von Tag zu Tag wurde der Hals dicker. Er konnte nicht mehr Schlucken, nur leise quieken. Aber mein Freund wollte auf keinen Fall am Wochenende in die Notaufnahme. So haben wir bis montags gewartet bis die Arztpraxen wieder auf machten. Am Vormittag, mein Freund bekam auch keinen Quieker mehr aus seinem Hals gedrückt, knatterten wir mit meinem alten Golf zum Hals-Nasen- und Ohren-Arzt. Nach einer kurzen Wartezeit bei „Focus” und „Living at Home” (zum Glück ohne „Goldenes Blatt”) marschierte ich zusammen mit meinem stummen Freund ins Sprechzimmer. Schließlich musste ich für ihn reden. Es war wie im Zirkus: Der Doktor ließ lange Schläuche und Stangen in der Nase meines Freundes verschwinden. Der Mund ging fast gar nicht mehr auf. Relativ schnell fällte der Arzt sein Urteil. Mein Freund musste ins Krankenhaus, der Rachen wurde von einer dicken Zyste versperrt – schlecht, wenn man auf so etwas wie Atemluft angewiesen ist.
So kam es, dass wir den Montag damit verbrachten, nach Hause zu fahren, Garderobe einzupacken und dann ins Krankenhaus zu fahren. Nach etwa zwei weiteren Stunden in einem weiteren Wartezimmer ging alles plötzlich sehr schnell. Mein Freund bekam einen Zugang im Arm und dann half ich ihm beim Anziehen dieser niedlichen grünen Badehaube und dem Kittelchen, das hinten nur von einem Band gehalten wird. Immerhin ließen sie dem Armen die Unterhose. Schon kam der Chirurg, packte meinen Freund in ein Bett und schob ihn in den OP. Nach einer halben Stunde in Vollnarkose war alles vorbei und ein Wunder war geschehen: Mein Freund konnte nach zwei Tagen endlich wieder etwas sagen, (so richtig laut quieken meine ich). Das Schöne: Weil sämtliche Kassenpatientenzimmer belegt waren, bekam mein Freund ein Privatzimmer. Mit schickem eigenem Bad, Hightech-Betten, Kabelfernsehen, Kühlschrank, Safe und Musikprogramm per Kopfhörer. Die Bettwäsche war farbig auf die Vorhänge abgestimmt und es gab eine gemütliche Ecke mit Tisch und Stühlen. Ich ließ an diesem Abend einen Freund mit breitem Grinsen auf dem Gesicht zurück, der auf einem tollen Bett sitzend, die Simpsons im Fernsehen sah und dazu sein Wahlmenü aß.
Beim Anblick der Kassenpatientenzimmer habe ich beschlossen, mir eine private Zusatzversicherung zu meiner Gesetzlichen zu besorgen. Ich glaube, es ist kein Problem, ein paar Tage in einem einfachen Zimmer zu verbringen. Aber krank vielleicht wochen- oder monatelang in solch einem Zimmer? Da will ich lieber Privatpatient sein.

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